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Armenien — Experte
Wissensbasis (Berater für Armenien): kennt die Innensicht des Landes nach dem Trauma von Bergkarabach, berichtet neutral — kein Sprachrohr. Wichtig: Sowohl die Regierungs-Erzählung („mutiger Frieden, Befreiung von Russland”) als auch die Oppositions-/Diaspora-Erzählung („Kapitulation, nationaler Verrat”) sind Partei-Narrative — beide gegenlesen (Abschnitt 6). Koppelt an
Experte_Aserbaidschan.md(Erzfeind/Friedensprozess/Korridor),Experte_Russland.md(Entfremdung/CSTO-Einfrierung),Experte_Tuerkei.md(geschlossene Grenze/Genozid 1915),Experte_Georgien.md(einzige offene Nord-Route),Experte_Iran.md(heikler Partner gegen Korridor-Isolation).
1. Selbstbild / Innensicht
„Das letzte christliche Bollwerk — und das ewige Opfer der Geschichte.” Armeniens Selbstbild ist von zwei Polen geprägt: dem Stolz auf die älteste Staats-Christianisierung der Welt (301 n.Chr.) und einer tief eingeschriebenen Opfer-/Überlebens-Identität. Die Brille:
- Der Völkermord 1915 als Gründungs-Trauma — die Vernichtung von bis zu 1,5 Mio. Armeniern im Osmanischen Reich ist nicht Geschichte, sondern lebendige Identitäts-Achse. „Nie wieder allein/wehrlos” ist der emotionale Kern; die Genozid-Anerkennung durch andere Staaten ist seit Jahrzehnten oberstes außenpolitisches Anliegen. Der Berg Ararat — Nationalsymbol, auf dem Staatswappen, aber auf türkischem Boden — ist die ständige sichtbare Wunde: das verlorene historische Westarmenien.
- Bergkarabach/„Arzach” als zweites Heiligtum — und der frische Bruch: Jahrzehntelang war die armenische Identität untrennbar mit Arzach verbunden („Wir geben keinen Stein her”). Der Verlust 2023 (siehe Abschnitt 2) ist das zentrale Trauma der Gegenwart — eine existenzielle Niederlage, die das Selbstbild zerreißt.
- Identitäre Cleavage — der tiefste Bruch: maximalistisch-national / Diaspora / Karabach-Clan / russlandverbunden vs. pragmatisch-staatlich / „Klein-Armenien” / westverbunden. Paschinjans Lager sagt im Kern: Um den armenischen Staat zu retten, müssen wir den Arzach-Traum und den Mythos „Großarmenien” begraben, mit Türkei und Aserbaidschan Frieden machen und uns vom unzuverlässigen Russland lösen. Das Gegenlager (Kocharjan/Sargsjan/Kirche/Teile der Diaspora) hört darin Verrat und Kapitulation. Diese Cleavage verläuft auch geografisch: die alten Präsidenten Kocharjan und Sargsjan stammen selbst aus Karabach — der „Karabach-Clan”, den Paschinjans Samtene Revolution 2018 stürzte. Der Verlust Karabachs ist deshalb doppelt aufgeladen.
- Symbolische Macht: der Genozid-Gedenkort Zizernakaberd, der Katholikos-Sitz Etschmiadsin (geistliches Zentrum aller Armenier weltweit), die Apostolische Kirche als nationale Klammer über Staat und Diaspora hinweg. Paschinjans Angriff auf den Katholikos (2025) ist deshalb mehr als Kirchenpolitik — er rüttelt an einem Identitäts-Anker.
- Verdeckter innerer Treiber — der Schlüssel: das nackte Überleben des Rest-Staats. Hinter Paschinjans riskantem Friedens- und West-Schwenk steht eine existenzielle Angst: Nach dem Fall Karabachs fürchtet Jerewan, dass als Nächstes das armenische Kernland selbst (v.a. die Südprovinz Syunik/Zangezur) ins Visier einer türkisch-aserbaidschanischen Achse gerät. Die Logik: Lieber jetzt schmerzhafte Zugeständnisse und Frieden „einkaufen”, solange Aserbaidschan militärisch überlegen ist und Russland als Schutzmacht ausfällt — als auf einen weiteren Krieg warten, den man verliert. Fast jede Bewegung Paschinjans erklärt sich aus dieser einen Logik.
- Wunder Punkt — die Demütigung: Ein Volk mit starkem Stolz musste 2023 zusehen, wie ~100.000 Landsleute aus Arzach vertrieben wurden, ohne dass die Schutzmacht Russland oder die eigene Armee es verhinderte. Diese Ohnmacht ist die offene Wunde, aus der sowohl der West-Schwenk (Wut auf Russland) als auch die Opposition (Wut auf Paschinjan) ihre Energie ziehen.
2. Faktenlage (belegt / berichtet)
- Verlust von Bergkarabach (belegt): Am 19.–20.9.2023 zerschlug Aserbaidschan die abtrünnige Republik Arzach in einer eintägigen Militäroffensive; danach floh fast die gesamte armenische Bevölkerung (~100.000) binnen Tagen nach Armenien. Russlands dort stationierte „Friedenstruppe” griff nicht ein — der Auslöser für die Diskreditierung Moskaus als Schutzmacht. →
Experte_Aserbaidschan.md,Experte_Russland.md. - Friedensabkommen — initialisiert, aber NICHT unterzeichnet (belegt/berichtet): Am 8.8.2025 paraphierten Paschinjan und Aserbaidschans Präsident Alijew unter Vermittlung von Trump in Washington den Text eines Friedensabkommens und unterzeichneten eine gemeinsame Erklärung. Label-Präzision: Der Text ist initialisiert/paraphiert, aber bis Juni 2026 nicht förmlich unterschrieben und nicht ratifiziert. Bakus Bedingung: Armenien müsse zuerst aus seiner Verfassung den Verweis auf die Unabhängigkeitserklärung von 1990 (die Karabach erwähnt) streichen — Baku liest das als fortbestehenden Gebietsanspruch. Die nötige Verfassungsänderung soll per Referendum 2027 erfolgen. (Wikipedia/Crisis Group/EVN Report/RAND, 2025–26.) →
Experte_Aserbaidschan.md. - TRIPP / „Zangezur-Korridor” (belegt/berichtet): Kern des Deals ist ein ~43 km langer Transitweg durch Armeniens Südprovinz Syunik, der Aserbaidschans Hauptland mit seiner Exklave Nachitschewan (und weiter zur Türkei) verbindet. US-Branding: „TRIPP” — Trump Route for International Peace and Prosperity; die USA erhielten ein 99-Jahre-Mandat zur Entwicklung/Betrieb über eine US-kontrollierte Gesellschaft (berichtet: 74 % US- / 26 % armenischer Anteil). Mit dem Deal wurde die OSZE-Minsk-Gruppe (seit den 1990ern für die Vermittlung zuständig) aufgelöst — Russland und Frankreich aus dem Format gedrängt. Streit-Achse: Baku will einen kontrollfreien Korridor; Armenien besteht auf voller Souveränität/Zoll-Kontrolle über das eigene Territorium. (CEPA/Carnegie/Soufan Center/Railway Gazette, 8/2025–2026.) →
Experte_Aserbaidschan.md,Experte_Tuerkei.md. - Wahl 7.6.2026 — Paschinjan im Amt bestätigt (belegt): Bei der Parlamentswahl (9. Einberufung der Nationalversammlung) gewann Paschinjans „Zivilvertrag” (Civil Contract) mit 49,81 %, die Hauptopposition „Starkes Armenien” (Hzor Hayastan) mit 23,29 % — 64 von 105 Sitzen für die Regierungspartei, dritte Amtszeit. Wahlbeteiligung ~58 %. Die Wahl galt als Referendum über den Friedens- und West-Kurs. Reuters berichtete unter Berufung auf westliche Geheimdienste über massive verdeckte russische Einflussversuche (Desinformation, Unterstützung pro-russischer Kandidaten). (Al Jazeera/OC Media/CBC/Wikipedia, 6/2026.) →
Experte_Russland.md. - Bruch mit Russland/CSTO (belegt): Armenien hat seine CSTO-Mitgliedschaft seit 23.2.2024 eingefroren; Paschinjan erklärte 12/2024, man habe „den Punkt ohne Wiederkehr überschritten” und betrachte sich „außerhalb der CSTO”. Förmlich ausgetreten ist Armenien aber nicht. Beim Kreml-Treffen am 1.4.2026 sagte Paschinjan Putin direkt, er könne dem armenischen Volk nicht erklären, „warum die CSTO trotz ihrer Verpflichtungen nicht reagiert hat” (bezogen auf 2023). Kein Wiedereintritt in die „aktive” Teilnahme, festgeschrieben im Wahlprogramm. Parallel verfolgt Armenien einen EU-Annäherungskurs (Gesetz zum Start des EU-Beitrittsprozesses, multivektorale Außenpolitik). (ARMENPRESS/Caucasus Watch/United24/Wikipedia, 2024–26.) →
Experte_Russland.md. - Türkei-Normalisierung im Gang (berichtet): 2026 beschleunigte sich die Annäherung: Turkish Airlines nahm im März 2026 Linienflüge Istanbul–Jerewan auf, Visa-Erleichterungen, Sondierungen über Grenzöffnung. Ankara/Baku knüpfen die Öffnung der seit 1993 geschlossenen Landgrenze an die armenischen Verfassungsänderungen und das Friedensabkommen. Die Genozid-Frage 1915 bleibt der historische Schatten über allem. (Eurasianet/Turkish Minute/Mirror-Spectator, 2025–26.) →
Experte_Tuerkei.md. - Wirtschaft — Boom-Bust nach Russland-Schock (WB-hart + berichtet): BIP/Kopf 8.556 $ (2024)
WB:WB_WDI_NY_GDP_PCAP_CD— steiler Anstieg im Verlauf: 2019 4.597 → 2020 4.269 (Corona+Krieg) → 2021 4.685 → 2022 6.572 → 2023 8.159 → 2024 8.556. Treiber des Booms: nach Russlands Ukraine-Krieg flossen ~110.000 russische Zuwanderer/Firmen + Kapital nach Armenien (2022), dazu ein explodierender Gold-Re-Export (Umgehung der Russland-Sanktionen): Gesamtexporte 13,1 Mrd. $ (2024), davon ~63 % Gold-Re-Exporte; Handel mit Russland verfünffacht von 2,6 Mrd. $ (2021) auf 12,4 Mrd. $ (2024). Der Bust: Russland schaffte 4/2024 den Gold-Exportzoll ab → die armenische Re-Export-Route verlor ihre Logik; Exporte fielen 2025 auf ~8,4 Mrd. $. Wachstum: 2023 8,3 %, 2024 6 %, 2025 7,2 % — aber Q1 2026 nur 3,9 % (4-Jahres-Tief); Prognose 2026 ~5,3 %, mittelfristig ~5 %. IT-Sektor als neuer Motor (~7 % BIP, >10.700 Tech-Firmen 2025), dazu Bergbau. (Tvyal/EVN Report/Emerging Europe/Weltbank/FocusEconomics, 2024–26.) - Militärausgaben — WB-hart, Aufrüstung nach 2023: % BIP: 2019 4,79 → 2020 4,98 → 2021 4,47 → 2022 4,08 → 2023 5,51 → 2024 5,48
WB:WB_WDI_MS_MIL_XPND_GD_ZS. Deutung: Niveau bereits historisch hoch (Daueralarm gegenüber Aserbaidschan), klarer Sprung 2023 → über 5,5 % als Reaktion auf den Karabach-Verlust und die existenzielle Bedrohung Syuniks — eine der höchsten Quoten der Region. Diversifizierung der Lieferanten weg von Russland (berichtet: Frankreich, Indien als neue Hauptlieferanten). →Experte_Indien.md, Frankreich. - Demografie als Macht-Achse (WB-hart): Bevölkerung 2,96 Mio. (2019–23) → 3,03 Mio. (2024)
WB:WB_WDI_SP_POP_TOTL(der Sprung 2024 teils Zensus-/Zuzugs-Effekt nach Russen-Zuwanderung + Karabach-Flüchtlingen). Kleines Land mit struktureller Schwäche: dauerhafte Abwanderung (v.a. nach Russland/USA), niedrige Geburtenrate, eine riesige Diaspora (~7–9 Mio. weltweit, mehr als im Land selbst) — die Diaspora ist Geld- und Lobby-Macht, aber auch Treiberin des maximalistischen Narrativs. Die schmale Bevölkerungs- und Wehrbasis (~3 Mio. gegen ~10 Mio. Aserbaidschaner) ist der harte Grund für Paschinjans „wir können einen weiteren Krieg nicht gewinnen”-Logik. - Kirchen-Konflikt + Oligarchen-Verhaftung (berichtet): Ab 5/2025 eskalierte Paschinjan einen offenen Machtkampf mit der Apostolischen Kirche: er forderte den Rücktritt von Katholikos Karekin II. (Vorwurf: gebrochenes Zölibat). Es folgten Verhaftungen: Erzbischof Mikael Adschapahjan (2 Jahre Haft, „Putsch-Aufruf”), Erzbischof Bagrat Galstanjan (Anführer der Karabach-Protestbewegung 2024, Putsch-Vorwurf), Bischof Mkrttsch Proschjan (Neffe des Katholikos) + ~12 Kleriker, sowie der russisch-armenische Milliardär Samwel Karapetjan (Tashir-Gruppe, Eigentümer des armenischen Stromnetzes). Analysten lesen die Verhaftungen als Präventivschlag gegen mögliche russische/kirchliche Einmischung vor der Juni-Wahl 2026. (Al Jazeera/KAS/OC Media/Christian Daily, 2025.)
3. Interessen & Ziele
Physisches Überleben des armenischen Staates zuerst — daraus abgeleitet: einen dauerhaften Frieden mit Aserbaidschan sichern, bevor die militärische Asymmetrie noch größer wird (Verfassungsänderung als Preis); Syunik unter eigener Souveränität halten (kein extraterritorialer Korridor); die Blockade durchbrechen über offene Grenzen zur Türkei (Zugang zu Mittelmeer/Welthandel) und das Festhalten an der offenen Iran-Grenze als Lebensader; Sicherheits-Neuausrichtung weg vom diskreditierten Russland, hin zu West/EU/USA + neuen Waffenlieferanten (Frankreich, Indien); wirtschaftliche Diversifizierung weg von der Russland-Abhängigkeit (IT, Bergbau, Transit-Einnahmen aus TRIPP). Innenpolitisch: Paschinjans Machterhalt gegen den Karabach-Clan, die Kirche und Moskaus Soft Power. Langfristig: als souveräner, westanschlussfähiger Klein-Staat überdauern — nicht als russischer Vorposten oder türkisch-aserbaidschanischer Durchgangsraum.
4. Rote Linien / Tabus
- Gefallenes Tabu (das größte): Die faktische Anerkennung aserbaidschanischer Souveränität über Karabach/Arzach — jahrzehntelang der unantastbare Kern armenischer Identität. Paschinjan hat es de facto vollzogen (Anerkennung der territorialen Integrität Aserbaidschans inkl. Karabach, Prag 2022; Hinnahme des Exodus 2023). Tempo der Verschiebung = das Signal, wie tief die Niederlage sitzt.
- Gefallenes Tabu: Annäherung an die Türkei ohne Genozid-Vorbedingung — früher undenkbar, jetzt aktiv betrieben (Flüge, Grenz-Sondierung). Die Genozid-Anerkennung wird der Pragmatik untergeordnet.
- Gefallenes Tabu: Distanzierung von Russland/CSTO — der historische Sicherheitsgarant wird offen als unzuverlässig gebrandmarkt; Einfrieren der CSTO, Diversifizierung der Waffenkäufe. (Noch nicht gefallen: der förmliche Austritt aus CSTO/EAWU — Armenien bleibt wirtschaftlich an die Eurasische Wirtschaftsunion gebunden, ein Rest-Hebel Moskaus.)
- Lebende rote Linie: Kein extraterritorialer Korridor durch Syunik — Armenien akzeptiert Transit, aber nur unter eigener Souveränität, Grenz- und Zollkontrolle. Das ist die heißeste offene Streitlinie mit Baku (und Iran liest hier mit).
- Lebende rote Linie: Die Iran-Grenze muss offen bleiben — sie ist die einzige nicht-feindliche Süd-Verbindung und das Gegengewicht gegen die türkisch-aserbaidschanische Umklammerung. →
Experte_Iran.md.
5. Schlüsselakteure (gleichgewichtig)
- Regierung: Nikol Paschinjan (Premierminister seit der „Samtenen Revolution” 2018, Partei „Zivilvertrag”/Civil Contract) — populistischer Herausforderer des alten Establishments, Architekt des Friedens- und West-Schwenks, 6/2026 mit 49,81 % für dritte Amtszeit bestätigt. Außenminister Ararat Mirzojan; Ruben Rubinjan (Vize-Parlamentspräsident, Sonderbeauftragter für die Türkei-Normalisierung). Machtbasis: urbane, jüngere, west-orientierte Wählerschaft, die einen Schlussstrich unter Krieg und Korruption will.
- Opposition (parlamentarisch + Moskau-nah): Robert Kocharjan (Ex-Präsident 1998–2008, aus Karabach; Block um „Armenien/Hayastan”, nennt TRIPP eine „diplomatische Katastrophe”); Serzh Sargsjan (Ex-Präsident 2008–2018, gestürzt 2018); Narek Karapetjan (Bewegung „Unser Weg”/Mer Dzevov, Neffe des verhafteten Oligarchen Samwel Karapetjan). Die 2026 zweitplatzierte „Starkes Armenien” (23,29 %) ist der Hauptsammelpunkt der Opposition. Gemeinsamer Nenner: Vorwurf der Kapitulation, Nähe zu Moskau, Verteidigung des Karabach-Erbes.
- Apostolische Kirche: Katholikos Karekin II. (Sitz Etschmiadsin) — nationaler Identitäts-Anker und seit 2025 offener Gegenspieler Paschinjans; die Kirche bündelt konservativ-nationale und teils pro-russische Stimmung. → eigene Macht-Achse jenseits der Parteien.
- Diaspora: ~7–9 Mio. weltweit (USA, Frankreich, Russland, Nahost) — Geldgeber, Genozid-Lobby, oft Treiberin des maximalistischen Narrativs; gespalten über Paschinjans Pragmatismus.
- Extern: Aserbaidschan/Alijew (überlegener Gegner + Friedenspartner zugleich →
Experte_Aserbaidschan.md); Russland/Putin (entfremdeter Ex-Garant, EAWU-Hebel, Soft-Power-Einmischung →Experte_Russland.md); USA/Trump (TRIPP-Pate, neuer Ordnungsfaktor); Türkei (historischer Erzfeind, jetzt Normalisierungspartner →Experte_Tuerkei.md); Iran (heikler Süd-Partner, Korridor-Veto →Experte_Iran.md); Georgien (einzige offene Nord-Route, Transit-Lebensader →Experte_Georgien.md); EU/Frankreich (West-Anker, Waffen, Beobachtermission EUMA an der Grenze).
6. Quellen-Hygiene
- Regierungs-Narrativ (Paschinjan, „Zivilvertrag”, Staatssender) = Partei-Signal, kein Beleg: rahmt den Schwenk als mutige Friedens- und Befreiungstat. Trennen: was als Erfolg verkauft wird ↔ was tatsächlich verbindlich vereinbart/ratifiziert ist (z.B. Abkommen paraphiert ≠ unterzeichnet).
- Oppositions-/Diaspora-Narrativ (Kocharjan/Sargsjan, „ArmenpressⓄ“-kritische Auslands-Medien, Teile der Diaspora-Presse wie Armenian Weekly/Horizon) = Gegenpartei mit eigener Agenda: rahmt alles als „Kapitulation/Verrat”. Wertvoll für Kritik an Zugeständnissen, aber bei Prognosen interessengeleitet. Beide Pole gegenlesen.
- Russische Staatsmedien (zu Armenien) = Moskau-Signal — spielen die „undankbarer Vasall verrät den Beschützer”-Erzählung; russische Einmischung in die Wahl 2026 ist belegt-berichtet (Reuters/westl. Dienste), also als Akteur, nicht nur Beobachter, lesen. →
Experte_Russland.md. - Aserbaidschanische/türkische Quellen spiegeln die Gegen-Optik (Korridor als „Recht”, Karabach-Frage „erledigt”) — für die Faktenlage des Friedensprozesses gegen die armenische Optik kreuzlesen. →
Experte_Aserbaidschan.md. - Verlässlicher: EVN Report, OC Media, CivilNet, JAMnews (regionale, methodisch solidere Häuser), Crisis Group/Carnegie/CEPA/RAND/KAS (Analyse, Bias mitdenken), Weltbank/IWF/ADB (Wirtschaft, Stufe 1), Tvyal (armenische Wirtschaftsdaten). Eurasianet für Südkaukasus-Querschnitt.
- Datenlücke: Die TRIPP-Vertragsdetails (genaue Eigentums-/Kontroll-Architektur, Sicherheitsregelung im Korridor) sind nur teilberichtet, der Volltext nicht öffentlich — viele „74/26 %“-Zahlen zirkulieren ohne Primärquelle.
7. Offene Fragen / Wissenslücken
- Wird das Friedensabkommen je unterschrieben? (offen — der Kern): Der Text ist seit 8/2025 paraphiert, aber nicht unterzeichnet; Baku verlangt zuerst die armenische Verfassungsänderung (Referendum frühestens 2027). Offen: Hält die Reihenfolge (erst Verfassung, dann Unterschrift), oder kippt Aserbaidschan bei neuem Hebel die Bedingungen? Schafft Paschinjan das Referendum innenpolitisch gegen Kirche/Opposition? Beobachten: Termin/Wortlaut des Referendums, Alijews Rhetorik („Frieden bereits erreicht” vs. neue Forderungen). →
Experte_Aserbaidschan.md. - Souveränität über Syunik — wer kontrolliert TRIPP wirklich? (offen): Die armenische rote Linie („kein extraterritorialer Korridor”) und Bakus Wunsch nach Kontrollfreiheit stehen formal im Widerspruch; die US-99-Jahre-Architektur soll den Quadratur-des-Kreises-Versuch sein. Offen: Tatsächliche Zoll-/Sicherheitsregelung, ob armenische Souveränität de facto gewahrt bleibt — und wie Iran reagiert, das den Korridor als strategische Einkreisung liest (IRGC-Drohungen vs. spätere Rhetorik-Abkühlung). Beobachten: Iran-Armenien-Grenzregime, Baukörper/Betreiber-Gesellschaft. →
Experte_Iran.md,Experte_Aserbaidschan.md. - Wie weit geht der Russland-Bruch wirklich? (teilbeantwortet → beobachten): CSTO eingefroren, aber kein förmlicher Austritt; EAWU-Mitgliedschaft und wirtschaftliche Verflechtung (Energie, Migranten-Überweisungen, der Gas-/Atomstrom aus russischer Hand) bleiben. Offen: Vollzieht Armenien den de-jure-Bruch, oder bleibt es ein „eingefrorener” Halbzustand, den Moskau über Energie und Soft Power offen hält? Beobachten: EAWU-Schritte, russische Basis Gjumri (102. Militärbasis), Reaktion auf die 2026-Wahl-Einmischung. →
Experte_Russland.md. - Türkei-Grenze — Öffnung oder Dauer-Junktim? (offen): Flüge laufen, aber die Landgrenze hängt am Friedensabkommen + Verfassung. Offen: Öffnet Ankara unabhängig, oder bleibt die Grenze Geisel der Baku-Bedingungen (Türkei als verlängerter Arm Aserbaidschans)? Und wie wird die Genozid-Frage parkiert? →
Experte_Tuerkei.md. - Innenpolitische Stabilität nach 2026 (teilbeantwortet → beobachten): Paschinjan hat die Wahl klar gewonnen (49,81 %, 64 Sitze) und die Kirche/den Oligarchen präventiv geschwächt — aber die Cleavage bleibt tief, die Diaspora und der Karabach-Clan sind nicht verschwunden, Moskau bleibt Einmischungs-Faktor. Offen: Hält die Legitimität für die schmerzhaften nächsten Schritte (Verfassungsreferendum), oder eskaliert der Kirche-/Opposition-Konflikt zur Straßenkrise? Beobachten: Folgeprozesse gegen Kleriker/Karapetjan, Galstanjan-Bewegung.
- Wirtschaft nach dem Re-Export-Ende (teilbeantwortet → beobachten): Der Gold-Re-Export-Boom ist vorbei (Russland strich 4/2024 den Zoll); Wachstum kühlt ab (Q1 2026: 3,9 %). Offen: Tragen IT und Bergbau die ~5 %-Normalisierung dauerhaft, oder folgt ein härterer Einbruch, wenn russisches Kapital/Migranten weiterziehen? Beobachten: Export-/Überweisungsdaten, IT-Firmen-Zahlen, russische Migranten-Verbleib.
Wissensbasis (Experte), kein datierter Lagebericht. Keine Finanzberatung.
Sources: Wikipedia Armenia–Azerbaijan peace agreement, EVN Report — Unfinished Peace Deal (initialed yet unsigned), RAND — Prospects for Lasting Peace 1/2026, Crisis Group — Hard Road to a Lasting Peace, Caspian News — Aliyev „peace already achieved” 2/2026, CEPA — Trump’s Road TRIPP, Soufan Center — Strategic Win for Washington 8/2025, Carnegie — A Month After the Summit 9/2025, Eurasia.ro — TRIPP 74/26 % shares, Railway Gazette — Armenia/USA TRIPP plan, Al Jazeera — Pashinyan wins 2026 election, OC Media — Civil Contract wins, CBC — observers allege Russian interference, Wikipedia 2026 Armenian parliamentary election, Wikipedia Armenia–CSTO relations, Caucasus Watch — Pashinyan rules out CSTO return, United24 — Armenia sets sights on EU, Pashinyan-Putin Moscow, IFRI — What is at Stake in Armenia’s Elections, Al Jazeera — Pashinyan vs Church 7/2025, KAS — Foiled Coup? Church conflict escalates, Christian Daily — bishop + 12 clergy arrested, Eurasianet — Türkiye-Armenia border reopening, Turkish Minute — border after constitutional changes 5/2026, Tvyal — Armenia’s exports quadrupled until Russia closed loophole 5/2026, EVN Report — Armenia in 2024, Emerging Europe — Heading West (IT/mining), Kursiv — Relocated IT specialists, Russian boom, Jerusalem Post — Iran sees Zangezur as existential threat, Iran International — IRGC warns severe consequences, Stimson Center — Trump corridor, Iran scrambling, CivilNet — Kocharyan: „diplomatic catastrophe”, Carnegie — Russia won’t give up Armenia without a fight 1/2026; WB: WB_WDI_NY_GDP_PCAP_CD, WB_WDI_SP_POP_TOTL, WB_WDI_MS_MIL_XPND_GD_ZS